EsterhazyBlog

25 Oct, 2008

Das wohltemperierte Gehirn

Geschrieben von: Blogger In: Haydn

Rosenbaum glaubte an die neuartige „Schädellehre”, derzufolge man „aus Buckeln und Erhebungen des knöchernen Schädels eine besondere Entwicklung der darunterliegenden Hirnregionen und damit eine besondere geistige oder seelische Veranlagung ihres Trägers” erschließen könne. Staunend nahm er Haydns abgetrennten Kopf in die Hand. „Es roch heftig”, notierte der Wissenschafter später in seinem Arbeitsjournal. „Als ich den Pack im Wagen hatte, musste ich mich übergeben. Der Gestank ergriff mich zu sehr.”

Rosenbaum bewahrte das exquisite Cranium auf einem weißseidenen Kissen in einem schwarz polierten, mit einer goldenen Lyra verzierten Gehäuse auf. Der einstige Beamte des Esterházy’schen Hofs wusste noch nicht, dass die graue Masse bei Musikern an bestimmten Stellen dichter und die Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften breiter ist als bei Nichtmusikern. Er wollte dem Geheimnis eines Genies auf die Schliche kommen, doch anstatt MRTs zu machen, konnte Rosenbaum den Kopf nur exakt vermessen.

Gefunden in: Profil.at

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